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(Foto: Sandra Ludewig)

»Verlasst euch auf die Kunst.«

Max Prosa sagt von sich selbst, dass er Geschichtenerzähler ist. Mal mit Gitarre in Form von Songs, mal in Form von Lyrik zwischen zwei Buchdeckeln. Dabei hätte der Berliner sich beinahe gegen die Kunst und für ein Physikstudium entschieden. Beinahe, wohlgemerkt. Gerade hat er sein neues, mittlerweile fünftes Album »Mit anderen Augen« fertiggestellt.

Du arbeitest gerade an deinem neuen Album. Was kannst du darüber schon erzählen?

Ich habe das Album, es heißt »Mit anderen Augen«, genau wie meine ersten beiden Platten wieder komplett selber gemacht. Das war ein sehr aufreibender Prozess, an dessen Ende ich jetzt stehe. Es fühlt sich an, wie ein Kind auf die Welt zu bringen, denn es verändert sehr viel im eigenen Leben und wenn es auf die Außenwelt trifft, liegt gar nicht mehr in meiner Macht, was damit passiert. Insofern ist die Fertigstellung des Albums auch eine Art Abschied für mich.

Wie sahen deine Tage aus als du an der Platte gearbeitet hast?

Ganz unterschiedlich. Ich arbeite ja nicht ausschließlich an einem Album, sondern spiele auch Konzerte. Meistens muss ich da selber erstmal reinspüren und mir dann ein Vorgehen überlegen. Aber wenn ich an neuer Musik arbeite, passiert das oft von zuhause aus. Wir spielen im Studio mit der Band die Musik ein und ich singe dann zuhause die Vocals – dafür muss man aber natürlich in Stimmung sein und es nützt nichts, wenn man drei Stunden lang verbissen versucht, die richtigen fünf Minuten zu finden. Deshalb gestalten sich die Tage und das Arbeiten an so einem Album immer anders.

Magst du dieses selbstbestimmte Arbeiten oder gibt es auch Tage, an denen du lieber einem geregelten Job nachgehen würdest?

Klar ist es schön sich die Arbeit einzuteilen, aber manchmal sehne ich mich auch nach klassischen Arbeitszeiten und Pausen. Nur: der Kopf arbeitet natürlich auch dann weiter, wenn andere Leute Feierabend haben. Manchmal kommen mir auch mitten in der Nacht Ideen. Für mich als Künstler ist die Arbeit ja auch eine Leidenschaft und dementsprechend mit dem Leben verknüpft.

Wachst du mitten in der Nacht auf und notierst Songideen in dein iPhone?

Nein, ich bin da ganz oldschool und habe ein Notizbuch. In das schreibe ich vor dem Einschlafen meist noch ein paar Zeilen. Bevor ich ins Bett gehe, denke ich noch viel an Dingen herum und wenn ich ins Bett gehe und das loslassen will, kommt oft der entscheidende Einfall. Manchmal passiert mir das auch, wenn ich aus dem Haus gehe. Da gilt es dann aufmerksam zu sein und in sich reinzuhören, wann es soweit ist.

Und wie werden aus den Notizen dann Songs oder auch Gedichte, die du ja ebenfalls schreibst?

Das kommt ein bisschen darauf an, wie das Notierte in der darauffolgenden Zeit zu mir spricht. Manches vergesse ich, manches fällt mir wieder ein und dann fängt es von selber an, weiterzuarbeiten. Jedes halbe Jahr schaue ich diese Notizbücher durch, ob ich etwas vergessen habe, was doch gut war oder sich verwenden lässt.

Wie bist du überhaupt zur Musik gekommen?

Ich habe als Sechsjähriger angefangen Konzertgitarre zu spielen. Später, so mit 16, haben mich dann die Rolling Stones begeistert. Zu der Zeit wurden auch neuere Indierock-Bands wie The Strokes Vorbilder und Idole für mich. Ich habe dann meine erste Band gegründet, aber die ist – wie tausende andere Bands – wieder zerfallen. Also habe ich erstmal begonnen Physik zu studieren, aber währenddessen gemerkt, dass es für mich in der Musik noch etwas rauszufinden gilt.

Warum hast du dich erst musikalisch ausprobiert und dann doch für die Universität entschieden?

Weil das Geldverdienen mit Musik eine Utopie war. Da wo ich herkomme, war Musik nur ein Hobby und Künstler kein Beruf. Meine Eltern kannten keine Musiker und mein Plan, von der Musik zu leben, war in dieser Welt völlig absurd. Dementsprechend musste ich diesen Plan behutsam behandeln und erstmal einen klassischen Weg gehen. Erst als ich den Mut und das Selbstvertrauen gesammelt habe, konnte ich anfangen herauszufinden, was die Musik mit mir wollte.

Gab es da denn einen Initialmoment?

Das kam eher schleichend. Ich habe zu der Zeit noch bei meinem Vater gewohnt und bin dann oft morgens aus dem Haus, aber nicht mehr zu Uni, sondern ein paar Stationen weiter in den verschimmelten Proberaum gefahren, den ich mir damals für 50 Euro in Tempelhof gemietet habe, um dort zu basteln. (lacht)

Wie hast du es von dort aus in den Zughafen von Clueso in Erfurt geschafft?

Das kam über den Manager von ihm, der gleichzeitig auch der Gründer des Zughafens war. Ich habe ihm Musik von mir geschickt, wir kamen ins Gespräch, Clueso fand meine Sachen auch gut und so bin ich zum ersten Mal nach Erfurt gefahren. Ich habe mich da gleich sehr wohl gefühlt. Das war für die Zeit genau das richtige.

Es ging dann auch mit Cluso auf Tour. Wie war das?

Das war wahnsinnig aufregend. Ich hatte gerade noch in Berlin vor 20 Leuten gespielt und dann stand ich plötzlich vor 8000 in der Frankfurter Messehalle. Sehr surreal. Meine Musiker und ich haben das aber durchgezogen und weil wir so unangepasst waren, kam das auch gut an.

Und wie kam es bei deinen Eltern an als sie gesehen haben, dass man mit Musik doch Geld verdienen kann und es ein Beruf ist?

Sagen wir so: Es hat sich nach und nach manifestiert, dass ich das jetzt mache und es funktioniert. Das mussten sie dann irgendwann einsehen. (lacht)

Gab es für dich mal so etwas wie einen Plan B?

Den habe ich immer noch, weil ich weiter offen dafür sein will, was das Leben für mich bereithält. Für mich ist nicht gesetzt, dass ich auf ewig Musiker bleibe. Wie nach jedem Album kann ich mir auch nach dieser neuen Platte nicht vorstellen, dass ich das noch mal mache. Ich bin da offen für alles und muss einfach nur auf mich hören.

Würdest du eigentlich sagen, dass du Popmusik machst?

Ich bin Geschichtenerzähler. Ich sammele Perspektiven auf die Welt und füge sie genauso wie Geschichten oder Fragmente von Gefühlen zu Liedern zusammen. Manchmal schreibe ich aber auch Gedichte. Im letzten Jahr habe ich ja ein Buch mit dem Titel »Im Stillen« veröffentlicht, in dem ich Lyrik, Lieder und Erzählungen versammelt habe.

Du hast auch mal einen Gedichtaboservice per SMS angeboten. Wie kam das?

(lacht) Ich hatte nach einer Tour kein Geld und hatte dann diese Idee. Manchmal kann das knapp bei Kasse sein sehr kreativ machen. Weil ich wusste, dass viele meiner Fans sich es wünschen, habe ich ihnen angeboten, einmal im Monat per SMS oder Brief ein Gedicht von mir zu erhalten. Das kam sehr gut an und ich konnte ein wieder ein bisschen davon leben.

Es gab also schon Phasen, in denen das Geld knapp wurde.

Ja, ständig. Als Musiker ist es für viele ein Problem, dass man eben Musiker und kein Geschäftsmann ist. Das selbstständige Arbeiten und Leben fordert natürlich schon eine gewisse Weitsicht, was das planen und auch Sachen wie Steuern angeht. Da war ich denkbar schlecht vorbereitet – vermutlich wie die meisten. Aber wenn man dann mal in Bredouille gerät, lernt man daraus und weiß, damit umzugehen.

Musstest du dann auch Nebenjobs annehmen?

Nein, ich hatte das Glück, dass es nie so weit kam. Zeitweise habe ich dann mal Vorlesungen zum Thema Songtexte gehalten, um mich damit über Wasser zu halten. Aber meine Jobs blieben immer im Max-Prosa-Kosmos. 

Hast du dich denn von Anfang an selbst um deine Finanzen gekümmert?

Ganz am Anfang hatte ich ein Management, dass das komplett für mich übernommen hat. Das war für den Moment auch gut, weil ich von Tuten und Blasen keine Ahnung hatte. Aber trotzdem würde ich sagen, dass es am besten ist, wenn man es selbst macht oder zumindest weiß, was da passiert. Früher oder später kommt der Punkt, an dem man sich selbst damit befassen muss. So war das bei mir auch und das war dann von heute auf morgen schon ein bisschen heftig. (lacht)

Hast du dir dann einen Steuerberater gesucht?

Den hatte ich schon immer. Das ist ein Luxus, den ich mir bis heute gönne, weil ich in diesem Thema nur zu einem gewissen Grad bewandert bin und auch der Meinung bin, dass das so reicht. Ich schaue alles durch und gebe es dann am Ende in seine Hände.

Dementsprechend, bist du auch nicht nervös, wenn ein Anruf oder eine Mail vom Steuerberater kommt?

Ich stell mich zumindest darauf ein das passende Mindset zu haben, den Überblick zu behalten.

Überblick heißt auch, etwas für später zurückzulegen?

Ich habe da noch nie viel drüber nachgedacht, ehrlich gesagt. Es ist natürlich so, dass sich im Laufe eines Künstlerlebens ein bisschen etwas anhäuft, weil man immer mehr Lieder veröffentlicht und CDs rausbringt. Das ist ja quasi ein Investitionsprojekt. Ich bekomme ja regelmäßige Ausschüttungen von der GEMA oder Vorschüsse und Lizenzen für mein Label. Das Live-Geschäft ist natürlich eine große Einnahmequelle. Das ist ein großes Sammelbecken aus verschiedensten Einkünften. Aber ich muss auch sagen: Ich war auch immer ein Freund davon, daran zu glauben, dass in den richtigen Momenten die richtigen Möglichkeiten kommen. Außerdem habe ich auch nie einen sonderlich hohen Lebensstandard und bin sehr zufrieden mit meiner Gitarre und meinem Klavier, Leuten und Liebe um mich herum. (lacht)

Du hast zu Beginn schon gesagt, dass du nach dem Album gar nicht weißt, ob du noch mal ein neues schaffst. Dennoch: Was hast du dir für deine Karriere als Musiker noch vorgenommen?

Künstler versuchen ja immer, eine große Reichweite für ihre Kunst zu schaffen. Das ist aber auch immer mit einer gewissen Mainstreamhaftigkeit verbunden, was die Kunst sehr austauschbar werden lässt. Mir war schon immer wichtig, etwas Spezielles zu machen und die richtigen Leute zu erreichen. Es ist auch weiterhin mein Ziel die Leute zu erreichen, denen Max Prosa viel gibt.

Was würdest du junge, aufstrebenden Musikern raten, die wie du einst nicht mehr so oft in die Uni aber dafür umso öfter in den Proberaum gefahren sind?

(lacht) Verlasst euch auf die Kunst – alles andere liegt nicht in der eigenen Hand. Ich habe das Gefühl, dass viele der Laterne des Erfolgs hinterherrennen – und die ist immer woanders, sei es bei einem Genre oder einem Trend. Dabei ist das, was man aus sich heraus produziert meist viel origineller und eigener. Dass das dann wiederum Erfolg hat, ist natürlich nicht gesagt. Erfolg hängt von so vielen Dingen wie Zeitgeist oder Glück ab. Deswegen sollte man sich davon einfach nicht verunsichern lassen. Natürlich ist das leicht gesagt, wenn man wie ich eine gewisse Basis hat, aber ich glaube daran, dass das wahr ist und das Glück vom eigenen Schaffen und nicht davon abhängt, wie viele Leute auf das Konzert kommen.

Interview: Jan Wehn